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100 Jahre Slowenischer Kulturverein Vinko Poljanec
St. Kanzian 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden in Kärnten zahlreiche slowenische  Kultur- und Bildungsvereine gegründet. Kärnten war damals als Region im Vielvölkerstaat der österreichisch-ungarischen Monarchie größer als heute und zerfiel im Jahre 1918. Auf den damaligen Banknoten  standen auch slowenische Bezeichnungen wie zum Bespiel sto kron - hundert Kronen. Die Initiatoren der Vereinsgründungen waren meist örtliche Pfarrer oder Kapläne, die der gebildeten Schicht angehörten.
So wurde im Jahre 1906 in St. Kanzian der Slowenische christlich-soziale Leseverein (Slovensko krščansko-socialno bralno društvo) gegründet, benannt nach dem Pfarrer Vinko Poljanec, der in den Jahren 1908 bis zu seinem  durch das Naziregime gewaltsam herbeigeführten Tod im Jahre 1938 gewirkt hat. Einer der bekanntesten Gründungsmitglieder ist Michael Kačnik vlg. Jogr. Tätigkeit des Vereines: Gründung eines Männerchores, Theateraufführungen, Tamburizzagruppe, Führung einer Bibliothek zwecks Volksbildung, Organisation von  Kochkursen für junge Mächen. 90% der ca. 1300 Einwohner St. Kanzians bekannten sich als Slowenen.

In den Zwischenkriegsjahren war auch der Slowenische Kulturverein  sehr aktiv. Die treibende Kraft war Vinko Poljanec, welcher zeitweise auch Gemeinderat, Landtagsabgeordneter, Landwirtschaftskammerrat und Vorsitzender des zentralen slowenischen Kulturverbandes in Klagenfurt war. Im übrigen Österreich waren zu der Zeit auch Geistliche in der Politik tätig.

Der in Kärnten und Österreich entstehende Nationalsozialismus schlug insbesondere im zweisprachigen Gebiet hart zu. Vereinsmitglieder wurden verfolgt, ausgesiedelt und auch ermordet. Im Schulhof wurden 1943 alle slowenischen Bücher sowie die schriftliche Dokumentation des Vereines verbrannt. Auch Vinko Poljanec selbst wurde zum Opfer.

Nach dem zweiten Weltkrieg konnte sich der Verein lange nicht erholen. Zu groß war der entstandene materielle und moralische Schaden. Der Germanisierungsdruck setzte sich fort und auch politische Querelen in den eigenen Reihen trugen dazu bei.

Erst im Jahre 1959 konnte Valentin Hartmann die Gesangstätigkeit wieder beleben. Weitere Dirigenten waren Johann Kežar und Simon Wrulich. Seit 1983  leitet Franz Starz erfolgreich den Männerchor, der heute 23 Sänger zählt. Miha Kap war bis zu seinem Tode langjähriger und erfolgreicher Obmann des Vereines. Vor 20 Jahren wurde zwecks verstärkter Kulturarbeit mit der Jugend noch der Slowenische Kulturverein St. Kanzian gegründet. Die bekannte Gesangsgruppe Nomos ist innerhalb dieses Vereines tätig. Heute ist Frau Helga Mlinar gleichzeitig Obfrau diese Vereines und Obmannstellvertreterin des Vinko Poljanec, ein Beweis der guten Zusammenarbeit. Vinko Poljanec ist Mitglied beider slowenischer zentraler Kulturorganisationen der Kärntner Slowenen in Klagenfurt.

Und wie sieht es heute in der Gemeinde St. Kanzian  aus? Volkspolitisch ist die Situation gegenüber dem Jahre 1906  auf den Kopf gestellt, obwohl noch weit mehr als 15% der Bevölkerung  zumindest noch den heimischen slowenischen Dialekt spricht oder versteht. Der kulturelle Beitrag der St. Kanzianer Slowenen mit den Kultur- und Gesangsvereinen  kann sich sehen lassen, wenn wir nur an Vinko Poljanec und »Danica« denken. Dieser wird auch von Urlaubsgästen anerkannt.  Wir danken an dieser Stelle allen unseren aktiven Mitgliedern für Ihre Mitarbeit und der gesamten Gemeindebevölkerung für die Unterstützung und den Besuch unserer Veranstaltungen.  Ansonsten blicken wir mit großem Optimismus in die Zukunft. In der erweiterten EU werden über 40 Sprachen gesprochen. Auch Slowenisch wurde zur offiziellen EU-Sprache. Zur aktuellen Ortstafeldebatte meinen wir, dass die Sichtbarmachung der Zweisprachigkeit in unserer Gemeinde keine Markierung irgendwelcher besonderen Gebiete bedeutet, sondern ein Dokument unserer traditionellen Kultur, unseres Zusammenlebens und gegenseitiger Achtung in einer erweiterten Europäischen Union  darstellt. (RJ)